30 Jahre und kein bisschen weise?

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Wer von Euch erinnert sich noch an 1990?

Nein, ich meine nicht die Wiedervereinigung oder das Ende von Modern Talking. Ich meine das 1000-Dächer-Programm. Klingelts? Das war das Photovoltaik Förderprogramm der CDU/FDP Bundesregierung. Ja, auch wenn es heute unglaublich klingt, die schwarz-gelbe Bundesregierung wollte die Machbarkeit der dezentralen Anwendung erneuerbarer Energien erproben. Damals kostete ein Kilowatt-Peak (kWp) 12.000 bis 16.000 DM. Die Regierung förderte bis 70% davon.

Es war eine Zeit, in der die Photovoltaik noch als Spielerei für wohlhabende Idealisten belächelt wurde. Aber es war auch die Zeit, in der Menschen wie Hermann Scheer eine Vision hatten: Energie-Autonomie. Die Befreiung von fossilen Monopolen. Mit erneuerbaren Energien weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Dezentralität der Energieversorgung als Demokratieprojekt.

Ich war damals dabei – nein, ich hatte weder ein eigenes Haus noch Geld für eine Photovoltaikanlage. Aber ich war infiziert von der Idee, dass wir die Physik nutzen können, um uns von der Abhängigkeit von oft zweifelhaften Handelspartnern für Öl, Gas und Uran freizumachen. Selbst Strom erzeugen zu können hat mich fasziniert. Strom erzeugen zu können, ohne die Umwelt mit den Abgasen der Kraftwerke zu belasten, ohne die Risiken der Atomenergie und der bis heute ungeklärten Endlagerung des hochradioaktiven Abfalls.

Heute, über drei Jahrzehnte später, stehe ich vor den Trümmern dieser Vision. Nicht, weil die Technik versagt hätte. Im Gegenteil: Die PV-Module sind heute so effizient wie nie, Batterien sind spottbillig geworden und die Physik ist immer noch dieselbe (Überraschung!). Wir sind technisch und finanziell so weit, wie wir es uns 1990 nicht zu träumen gewagt hätten.

Doch schaut man sich die aktuelle Politik an, fragt man sich: Haben wir in 30 Jahren eigentlich irgendetwas gelernt? Immer wieder in den vergangenen Dekaden hat die Politik gebremst. Im Übrigen unabhängig der Partei. Ob Peter Altmeier („Altmeier-Knick“) CDU, oder Sigmar Gabriel, SPD. Beide haben den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv verlangsamt. Zehntausende Arbeitsplätze gingen damals in der Solartechnik verloren, in der Deutschland seiner Zeit führend war! Und auch wenn die jüngst vergangene Ampelregierung die Erneuerbaren deutlich ausgebaut hat: Am Ende bleibt es ein andauerndes Hin und Her, ohne dass auch nur der Ansatz eines echten, langfristigen Ziels zu erkennen ist.

Heute debattieren wir über Wasserstoff-Heizungen in Altbauten, subventionieren Gaskraftwerke, die wir eigentlich gar nicht wollen, und bauen Stromautobahnen durch das ganze Land, nur weil wir uns weigern, die dezentrale Realität anzuerkennen. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie Milliarden Euro in ineffizienten Strukturen versenkt werden. Als Physik-Fan packe ich mir an den Kopf, wenn Politiker versuchen, Wirkungsgrade per Parlamentsbeschluss zu ignorieren.

Dieser Blog ist mein persönlicher Realitätscheck. Hier wird gerechnet, nicht gehofft. Hier wird analysiert, nicht applaudiert.

Willkommen bei „Politik für uns“, wo die Thermodynamik wichtiger ist als das nächste Umfrageergebnis.

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