Netzpaket vs. GModG – Wie schizophren ist unsere Regierung?

Infografik zum Konflikt zwischen Netzpaket und Gebäudemodernisierungsgesetz

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Im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat Frau Reiche die „Technologieoffenheit“ zur Maxime erhoben. Die sogenannte Biotreppe verspricht Hausbesitzern, dass sie weiterhin Gas- und Ölheizungen einbauen können, sofern ab 2029 schrittweise grüner Wasserstoff, Biomethan oder Bioheizöl beigemischt wird.

Das Heilsversprechen lautet: „Wir heizen weiter wie bisher, nur eben grün.“ Doch diese Beruhigungspille für die Bürger hat einen gigantischen Haken. Um Deutschland über den ineffizienten Umweg von Wasserstoff, Bio-Heizöl und E-Fuels warmzuhalten, bräuchten wir laut Berechnungen von Fachverbänden und Instituten wie den Scientists for Future oder dem Umweltbundesamt (UBA) astronomische Mengen zusätzlichen Ökostroms.

Da die Erzeugung von Wasserstoff das 4- bis 5-fache an Ausgangsstrom im Vergleich zur hocheffizienten Wärmepumpe verschlingt, droht allein der Wärmesektor im Extremfall einen zusätzlichen Strombedarf von bis zu 600 TWh (Terawattstunden) oder mehr zu generieren. Das entspricht fast dem gesamten aktuellen Stromverbrauch der Bundesrepublik.

Hier stehen sich die physikalischen Wirkungsgrade unversöhnlich gegenüber:

  • Eine moderne Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom im Schnitt 3 kWh nutzbare Wärme – was einem energetischen Wirkungsgrad von 300 % entspricht (Leistungszahl COP=3).
  • Beim Heizen mit Wasserstoff liegt der Gesamtwirkungsgrad von der Erzeugung bis zum Heizkörper dagegen bei mageren 55% bis 60%.

Das Netzpaket: Die künstliche Verknappung

Doch während das GModG den Bedarf an grünem Strom ins Unermessliche treibt, zieht Katherina Reiche mit dem „Netzpaket“ zeitgleich den Stecker. Die Bundesregierung argumentiert zwar völlig zurecht, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien vielerorts schneller erfolgt als der eigentliche Ausbau der Stromnetze. Die bitteren Folgen dieser verfehlten Infrastrukturpolitik der letzten Jahrzehnte sind bekannt:

  • rasant steigende Redispatch-Kosten
  • immer häufigere Phasen negativer Strompreise
  • lokale Netzengpässe sowie
  • immense Kosten für das Abregeln von Wind- und Solaranlagen

Allein das Abschalten sauberer Erzeugungsanlagen kostet uns Verbraucher jedes Jahr Milliardenbeträge. Doch statt den Netzausbau nun mit aller Kraft zu entfesseln, setzt das Netzpaket einseitig auf Begrenzung und Ausbremsung des Zubaus.

Besonders kritisch bewerten Branchenexperten den sogenannten Redispatch-Vorbehalt. Dieser sieht vor, dass in „kapazitätslimitierten Netzgebieten“ (wo im Vorjahr mehr als 3% des Stroms abgeregelt wurden) neue Ökostromanlagen zehn Jahre lang keinerlei Entschädigung erhalten, wenn sie vom Netzbetreiber zwangsabgeschaltet werden. Das macht Investitionen in erneuerbare Energien genau dort unattraktiv, wo Windstrom am günstigsten und im größten Stil produziert werden kann – wie beispielsweise in Norddeutschland.

Ausgerechnet in jener Region also, in der künftig die großen Elektrolyseure stehen sollen, um den dringend benötigten grünen Wasserstoff zu erzeugen.

Die künstliche Verknappung von grünem Strom

Damit kollidiert die Energiepolitik der amtierenden schwarz-roten Bundesregierung frontal mit sich selbst. Das GModG setzt langfristig auf einen massiv steigenden Bedarf an grünem Strom als Basis für die Biotreppe. Das Netzpaket dagegen signalisiert den Investoren das genaue Gegenteil: Der Ausbau erneuerbarer Energien wird gedeckelt und mit massiven finanziellen Risiken belegt.

Beide Ansätze gleichzeitig können physikalisch und ökonomisch nicht funktionieren. Je stärker Deutschland im Gebäudesektor auf Wasserstoff und E-Fuels wettet, desto mehr Windräder, Solaranlagen, Großspeicher und Elektrolyseure müssen wir ans Netz bringen – und zwar nicht erst in zwanzig Jahren, sondern innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Wenn Ministerin Reiche mit dem Netzpaket jedoch den Ausbau der Erneuerbaren behindert, erzeugt sie eine künstliche Verknappung. Und Knappheit bedeutet in einem Energiesystem unweigerlich:

  • dauerhaft höhere Strompreise,
  • explodierende Netzentgelte für die Endverbraucher,
  • drastisch steigende Heizkosten im Keller,
  • eine fortlaufende Importabhängigkeit von teuren Energieimporten sowie
  • eine schwindende Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie.

Der eigentliche Streit hat einen anderen Fokus

Interessant ist dabei vor allem, das die politische Debatte bisher erstaunlich oberflächlich bleibt. Es wird über Einspeisevergütung, Redispatch, Netzkosten und Anschlusskapazitäten diskutiert. Der eigentliche Grundkonflikt wird dagegen kaum offen ausgesprochen:

Will Deutschland künftig möglichst effizient und direkt mit kostengünstigem grünem Strom umgehen – oder sollen bestehende Verbrennungstechnologien und fossile Infrastrukturen um nahezu jeden Preis am Leben erhalten werden?

Fazit

Das Netzpaket und das Gebäudemodernisierungsgesetz verfolgen energiepolitisch zwei völlig entgegengesetzte Richtungen. Während das GModG einen gigantischen Hunger nach grünem Strom erzeugt, sorgt das Netzpaket im selben Atemzug dafür, dass der dafür notwendige Ökostrom-Zubau ausgebremst wird.

Es fehlen wieder einmal die verlässlichen Leitplanken, die zu einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik gehören. Dieses politische Zickzack gefährdet den Standort Deutschland und wirkt auf Projektierer wie eine Investitionsbremse.

Wann begreift die Politik endlich, dass wir nur mit echten Zukunftstechnologien wettbewerbsfähig bleiben? Weltmarktführer in der Solarindustrie waren wir in Deutschland schon einmal – bis eine frühere schwarz-rote Bundesregierung mit dem damaligen „Altmaier-Knick“ die Branche sehenden Auges abwürgte. Katherina Reiche schickt sich nun an, diesen historischen Fehler im großen Stil zu wiederholen.

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